{"id":654,"date":"2017-08-07T13:52:08","date_gmt":"2017-08-07T11:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/bayernedu.wordpress.com\/?p=654"},"modified":"2017-08-07T13:52:08","modified_gmt":"2017-08-07T11:52:08","slug":"das-leben-als-nervige-digitale-fliege-dos-und-donts-bei-der-einfuehrung-von-digitalerbildung-in-die-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bayernedu.net\/index.php\/2017\/08\/07\/das-leben-als-nervige-digitale-fliege-dos-und-donts-bei-der-einfuehrung-von-digitalerbildung-in-die-schule\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Leben als nervige digitale Fliege\u201d &#8211; Do\u00b4s und Dont\u00b4s bei der Einf\u00fchrung von #DigitalerBildung in die Schule"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>#BayernEdu ist ja bekannterma\u00dfen eine Community, an der sich alle Interessierten aus allen (Bundes-)l\u00e4ndern beteiligen k\u00f6nnen. Gr\u00fcndungsmitglied <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tridigiwet?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christian Wettke (stolzer Kurpf\u00e4lzer)<\/a> schildert in seinem Gastbeitrag, dass man es als Verfechter von #DigitalerBildung nicht immer ganz einfach hat, aber es letztlich doch Wege gibt, wie man sein Faible in strukturierte Bahnen lenken kann. Weitere Beitr\u00e4ge von ihm findet man auch auf seinem <a href=\"https:\/\/tridigiwet.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eigenen Blog<\/a>.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Seit nun immerhin 2 vollen Schuljahren darf ich mich an einer Schule erproben, an der (bedingt durch die Teilnahme an einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tabletbs?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schulversuch in Baden-W\u00fcrttemberg zu Tablets im Unterricht an beruflichen Schulen)<\/a> in einem 1:1 Setting unterrichtet wird. Kurze Information zu mir und meinem Werdegang: Ich bin Lehrer (Spanisch und Sport) und habe in der digitalen Bildung zum ersten Mal in meiner schulischen Laufbahn etwas gefunden, f\u00fcr das ich wirklich brenne. Nicht dass mir das Lehrerdasein davor nicht gefallen h\u00e4tte, ich lebe und liebe meinen Beruf. Dennoch er\u00f6ffnet sich mir durch die Hinzunahme von digitalen Medien (Tablets, Smartphones) die einmalige M\u00f6glichkeit, meine Vergangenheit an freien Schulen in mein aktuelles Schaffen einflie\u00dfen zu lassen. In meinen Augen ist die digitale Bildung in unserer Zeit alternativlos, wobei ich mich gerne dar\u00fcber streite, in welchem Umfang, in welchem Fach und zu welcher Zeit. Bin ich deswegen ein allwissender Technik-Freak? Nein, eher im Gegenteil&#8230;. Ich verstehe von der dahinter stehenden Technik relativ wenig und erwarte auch nicht, dass das in naher Zukunft anders wird. Was mir jedoch an Wissen fehlt, mache ich mit Enthusiasmus wett und lerne weiter. In diesen 2 Jahren wurde ich nun jedoch von vielen Erfahrungen rund um das Schulwesen und die Komplexit\u00e4t desgleichen gepr\u00e4gt, positiv wie negativ. Ein Grund daf\u00fcr, meine Erfahrungen in Do\u00b4s und Dont\u00b4s bei der Einf\u00fchrung von digitaler Bildung oder digitalen Medien zu unterteilen und niederzuschreiben. Ich m\u00f6chte zu folgenden Themen gerne darlegen, was sich in meinen Augen bew\u00e4hrt hat und welche Herangehensweise man besser bleiben lassen sollte:<\/p>\n<p>\u25cf Eigener Unterricht<\/p>\n<p>\u25cf Umgang mit Sch\u00fclern<\/p>\n<p>\u25cf Verhalten gegen\u00fcber Kollegen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Eigener Unterricht <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>a. Do\u00b4s <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sicherlich lassen sich viele Kriterien (in meinen Augen Ausgangspunkte) f\u00fcr guten digitalen Unterricht und mobiles Lernen aufz\u00e4hlen und differenzieren. Ich habe mich auf die meiner Meinung nach pr\u00e4gnantesten und pragmatischsten beschr\u00e4nkt:<\/p>\n<p><strong>1. Habe ein Konzept, das fundiert und durchdacht ist und dennoch Freiheiten in der Umsetzung bietet. <\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Nutze digitale Medien dann, wenn es einen sinnvollen didaktischen Wert gibt und nicht nur als technische Spielerei. <\/strong><\/p>\n<p><strong>3. Biete ein geeignetes Setting f\u00fcr mobiles Lernen und suche dann nach Apps. <\/strong><\/p>\n<p><strong>4. Gib das Medium in Sch\u00fclerhand, lasse SuS gemeinsam arbeiten und leite sie zu kritisch-reflektiertem Denken an. <\/strong><\/p>\n<p><strong>5. Vergiss nie, dass du zuerst P\u00e4dagoge bist. <\/strong><\/p>\n<p>Gerade der letzte Punkt erscheint mir doch als der entscheidende, denn bei aller Magie, die durch den Nutzen von digitalen Medien m\u00f6glich ist, bin ich doch in erster Linie P\u00e4dagoge, Lernbegleiter, Lehrer und Lerner. Das digitale Medium wird stets eine Unterst\u00fctzung (bei richtiger Verwendung eine \u00e4u\u00dferst sinnvolle) sein, nicht mehr und nicht weniger.<\/p>\n<p><strong><em>b. Dont\u00b4s <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die ersten eigenen Unterrichtserlebnisse oder \u201edigitalen Gehversuche\u201c verliefen noch recht stockend, da ich doch sehr gutgl\u00e4ubig und blau\u00e4ugig an die ganze Geschichte rangegangen bin. Hei\u00dft \u00fcbersetzt: Ich habe das Tablet eingesetzt und auf ein \u201edigitales Wunder\u201c gehofft. Mein Unterricht hat sich dadurch nat\u00fcrlich weder gro\u00dfartig ver\u00e4ndert noch verbessert, die Sch\u00fcler hatten lediglich zu meinen ganzen Arbeitsbl\u00e4ttern a) die digitale Version davon und b) schnellere L\u00f6sungen dank Internetzugriff und Google-\u00dcbersetzer. So bin ich nach einigen Versuchen und Monaten fast wieder zum normalen und tablet-losen Unterricht zur\u00fcckgekehrt. Zum Gl\u00fcck kamen da zwei Schl\u00fcssel-Erlebnisse (bzw. Fortbildungen) dazwischen: Die Schl\u00fcsselerlebnisse, die mich quasi in die H\u00e4nde der digitalen Bildung trieben, waren in meinem Fall zwei Fortbildungen, deren Wert und Genialit\u00e4t ich jedoch auch erst sp\u00e4ter erkannt habe. Zum einen war das eine Fortbildung zum <a href=\"http:\/\/integrate2learn.de\/2016\/11\/30\/basisartikel-mifd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MIFD (Modell der individuellen F\u00f6rderung mit digitalen Medien)<\/a> von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/teachham?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jan Hambsch<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/integrate2learn?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tobias Rodemerk<\/a> und einer Fortbildung zu interaktiven Videos von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/allanadl?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Allan Carrington<\/a> (mit leider sehr wenig Teilnehmern und konfusem Plan, aber tollen Inhalten und Ideen).<\/p>\n<p><strong>2. Umgang mit Sch\u00fclern <\/strong><\/p>\n<p><em><strong>a. Do\u00b4s <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Kurz meine bisherige Erfahrung: Es wird dir von den Sch\u00fclern sehr gedankt, wenn du dich um Neuerungen bem\u00fchst und auch vieles verziehen, solange das Engagement und die Zusammenarbeit stimmen. Auch die oftmals beschriebenen bzw. proklamierten Disziplinprobleme habe ich sehr, sehr selten erlebt. Das Tablet kann als Ablenkung dienen ja. Allerdings habe ich f\u00fcr mich den Schluss gezogen, dass ich die Sch\u00fcler ganz einfach viel damit arbeiten lasse und sie auch fordere, diese Arbeiten mit dem Ger\u00e4t als Hilfsmittel zu bearbeiten (und das Ger\u00e4t auch wirklich als Hilfsmittel zu verstehen). Nat\u00fcrlich helfen hier klare Absprachen und ein angenehmes Klassenklima. Ein Tool, das mir in dem Bereich wirklich sehr geholfen hat, war das \u201cp\u00e4dagogische Online-Rollenspiel\u201d CLASSCRAFT.<\/p>\n<p><em><strong>b. Dont\u00b4s <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres gelang es mir noch halbwegs gut, Phasen mit und ohne Tablet zu trennen und zu unterscheiden. Mit zunehmender Dauer verlor ich diese Trennung immer mehr, meine SuS waren fast ausschlie\u00dflich mit ihren Ger\u00e4ten besch\u00e4ftigt und ich f\u00fchlte mich damit auch noch im Recht. Ein geregelter Unterricht, bei dem sie was lernen konnten, war das nicht mehr, viel zu stark verlor ich mich im Digitalen und trieb als Lehrperson nur noch so dahin. Aufgrund des Verlustes der Struktur war ich auch nicht mehr in der Lage, tats\u00e4chlich als P\u00e4dagoge aufzutreten, sondern lediglich als \u201etechnischer T\u00fcr\u00f6ffner\u201c f\u00fcr die Kids t\u00e4tig. Zum einen, weil ich zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht die Kraft und den Mut hatte, mir im Bezug darauf einen Fehler einzugestehen, zum anderen weil es auch mir gefiel, viel mit dem Ger\u00e4t in der Hand zu arbeiten und meine alten Arbeitsbl\u00e4tter mehr als uncool fand.<\/p>\n<p><strong>3. Verhalten gegen\u00fcber Kollegen <\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier gerne vorweg sagen: Ich sch\u00e4tze meine Kollegen und habe innerhalb dieser zwei Jahre auch wieder meinen Frieden (besonders im Bereich der Einf\u00fchrung digitaler Bildung in unseren Schulalltag) mit ihnen machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em><strong>a. Do\u00b4s <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wir Lehrer m\u00f6gen es ja gar nicht, bevormundet oder gar belehrt zu werden (und da schlie\u00dfe ich mich nicht aus, ich hasse es regelrecht), was eigentlich komisch ist, da wir doch st\u00e4ndig mit vermitteln und lehren besch\u00e4ftigt sind. Vielleicht deswegen, wer wei\u00df? Was sich tats\u00e4chlich bewahrheitet hat (obwohl ich es zu Beginn selbst nicht glauben konnte bzw. wahrhaben wollte), ist: Je entspannter man selbst mit dem Thema umgeht, desto leichter und einfacher finden Gespr\u00e4che und Austausch statt. Danke an dieser Stelle an alle, die mir das auf Twitter auch immer wieder gebetsm\u00fchlenartig vorgepredigt haben. Ich leiste hiermit Abbitte.<\/p>\n<p><em><strong>b. Dont\u00b4s <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es stellte sich nach einiger Zeit auch heraus, dass nicht alle meine Kollegen meine neu gewonnene Begeisterung f\u00fcr digitale Bildung teilten und ich auf diesem Feld zunehmend alleine dastand. Anfangs f\u00fchlte ich mich hier noch gut, weil ich ja dachte, ihnen weit voraus zu sein und sie nicht f\u00fcr meine Entfaltung brauchen w\u00fcrde. Auch f\u00fchlte es sich gut an, trotz meinen jungen Jahren und der geringen Berufserfahrung etwas zu haben, in dem ich den anderen voraus und enteilt war. Im Laufe der Zeit nagte es doch mehr und mehr an mir, ein Einzelk\u00e4mpfer zu sein und keine bzw. wenige Mitstreiter (noch dazu in meinen F\u00e4chern) zu haben, die diese neue Form des Unterrichts genauso begeistert annahmen wie ich und mit denen ich mich regelm\u00e4\u00dfig und produktiv austauschen konnte. So wurde ich immer st\u00e4rker ein verbitterter Nerd, der begann alle zu verdammen, die nicht mitzogen und die diese Chance nicht wahrnahmen. Das resultierte mehr und mehr in einer Gem\u00fctseinstellung des \u201cJetzt erst recht\u201d. Ich begann also geharnischte E-Mails zu schreiben, in denen ich die Kollegen auf die Wichtigkeit unseres Tuns und die Chancen der digitalen Bildung hinwies oder merkte immer wieder an, man m\u00f6ge doch bitte nicht nur die ausgetretenen Pfade der Fortbilungsreihen des RP oder KuMi begehen, sondern sich eventuell auch mal zu einem Barcamp anmelden. Oh Wunder, keine Begeisterung. In dieser Zeit bekam ich auch den inoffiziellen Spitznamen \u201cnervige digitale Fliege\u201d verpasst, den ich jedoch heute mit Stolz tragen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#BayernEdu ist ja bekannterma\u00dfen eine Community, an der sich alle Interessierten aus allen (Bundes-)l\u00e4ndern beteiligen k\u00f6nnen. 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