{"id":543,"date":"2017-08-02T14:24:22","date_gmt":"2017-08-02T12:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/bayernedu.wordpress.com\/?p=543"},"modified":"2017-08-02T14:24:22","modified_gmt":"2017-08-02T12:24:22","slug":"5-mythen-beim-digitalen-unterrichten-und-was-an-diesen-dran-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bayernedu.net\/index.php\/2017\/08\/02\/5-mythen-beim-digitalen-unterrichten-und-was-an-diesen-dran-ist\/","title":{"rendered":"5 Mythen beim &#8222;digitalen Unterrichten&#8220; &#8230; und was an diesen dran ist"},"content":{"rendered":"<p>Endlich &#8211; seit dieser Woche ist auch in Bayern die allgemeine Sommerferienzeit eingel\u00e4utet worden. Da nach den Ferien aber bekanntlich vor dem n\u00e4chsten Unterricht ist, m\u00f6chte ich gerade denjenigen Kollegen, die ab dem Schuljahr 2017\/18 ins &#8222;digitale Lehren und Lernen&#8220; einsteigen, ein paar pers\u00f6nliche Erfahrungen mitteilen. Ich habe zu diesem Zweck einige &#8222;Mythen&#8220; zum Thema identifiziert, die immer wieder in der Diskussion auftauchen. Auch seitens meiner Referendare wird danach im Prinzip jedes Jahr immer wieder neu gefragt. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass meine Erwiderungen zu diesen rein subjektiv sind. Daher w\u00fcrde es mich freuen, ggf. weitere Meinungen dazu, z. B. als Kommentar unter dem Post, sammeln zu k\u00f6nnen. Wer mehr \u00fcber die <a href=\"http:\/\/real-euro.de\/schule\/medienreferenzschule\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infrastruktur und das Konzept unserer Schule<\/a> erfahren will, kann dies \u00fcber den Link gerne tun.<\/p>\n<p><strong>Mythos 1: Das &#8222;Digitale Unterrichten&#8220; kostet mehr Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Da ist durchaus etwas dran, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zun\u00e4chst einmal kostet es nat\u00fcrlich Zeit in Bezug auf die Unterrichtsvorbereitung, wenn man eigene Materialien erstellen will. Aber es gibt mittlerweile schon ein gro\u00dfes Online-Angebot, das man frei nutzen kann (&#8222;OER&#8220;). Unter diesem Aspekt w\u00fcrde ich mich zun\u00e4chst einmal umschauen, was es f\u00fcr meine F\u00e4cher so alles gibt. Der verlinkte <a href=\"https:\/\/www.learningsnacks.de\/share\/3793\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LearningSnack<\/a> kann dabei schon einen kleinen Einblick geben.<\/p>\n<p>Dann muss man nat\u00fcrlich auch sehen, dass man im Klassenraum ggf. schon ein bisschen Eingew\u00f6hnung braucht, um mit den jeweiligen Tools und Anwendungen gewinnbringend arbeiten zu k\u00f6nnen. Es wird sicher ein gewisses Zeitfenster brauchen, vielleicht klappt auch nicht immer alles gleich reibungslos. Letztlich sollte man dies aber nicht \u00fcberbewerten, da man auch hier seinen Sch\u00fclern und nicht zuletzt sich selbst Medienkompetenz vermittelt. Es ist also v\u00f6llig normal, wenn man an dieser Stelle etwas Unterrichtszeit investiert und nicht verwerflich. Man kann dieses Zeitfenster auch mit der Einf\u00fchrung einer neuen Methode vergleichen.<\/p>\n<p><strong>Mythos 2: Die Sch\u00fcler werden durch das &#8222;digitale Lernen&#8220; unkonzentrierter, die\u00a0Arbeitsergebnisse sind schlechter als\u00a0fr\u00fcher<\/strong><\/p>\n<p>Dem kann ich aus meiner Erfahrung nur widersprechen. Wenn die Regeln der Ger\u00e4tenutzung klar definiert sind, ist es auch eher so, dass dann nichts mehr heimlich geschieht. Das Handy in der Hosentasche wird &#8211; dessen kann man sich sicher sein &#8211; immer eine m\u00f6gliche Ablenkungsquelle bieten, ob man nun &#8222;digital&#8220; unterrichtet oder nicht. Daher sind in meinem Unterricht die iPads auf dem Tisch und bei Nichtnutzung umgedreht (was allerdings immer seltener der Fall ist). Wenn der Unterricht thematisch und methodisch dicht ist, dann bleibt auch wenig Zeit f\u00fcr Fremdbesch\u00e4ftigung. Und wenn das erzielte Ergebnis einer Arbeitsphase dann nicht den Anforderungen entspricht, kann dies vielleicht sogar schneller identifiziert werden als beim traditionellen Arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Mythos 3: Beim &#8222;digitalen Unterrichten&#8220; wird weniger gelesen<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso aus meiner Sicht zu plakativ und so auch nicht korrekt. Es wird sicher anders gelesen, vielleicht auch nicht mehr nur aus &#8222;\u00e4sthetischen&#8220; Gr\u00fcnden. F\u00fcr mich bietet das &#8222;digitale Unterrichten&#8220; aber einen guten Ansatz meine Sch\u00fcler erst einmal an das Lesen heranzuf\u00fchren. Beim Recherchieren und bei der Nutzung des Internets kommt es eher darauf an, nicht alles zu lesen, sondern auch Quellen und Wahrheitsgehalt herauszufinden. Beim &#8222;\u00e4sthetischen&#8220; Lesen habe ich trotz aller didaktischen Vorbehalte mit Lernvideos oder kleinen standardisierten \u00dcbungen gute Erfahrungen gemacht. Erst wenn man z. B. Stilmittel sicher erkennt und deren Wirkungen nachvollziehen kann, ist man doch auch in der Lage die literarische Qualit\u00e4t eines Textes zu beurteilen und dann selber kreativ zu werden.<\/p>\n<p><strong>Mythos 4: Beim Lernen mit &#8222;digitalen Medien&#8220; wird weniger miteinander geredet, es kommt vermehrt zu Frontalunterricht<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Verlockung gro\u00df. Der Lehrer pr\u00e4sentiert die Inhalte wie ein Keynote-Speaker auf einer wissenschaftlichen Tagung, die Sch\u00fcler konsumieren und haben vielleicht sogar, wenn sie sich auf die n\u00e4chste Stunde gut vorbereiten, im darauffolgenden Test ein besseres Ergebnis als fr\u00fcher erzielt. Das ist an sich nicht verwerflich, darf aber nicht der Regelfall des &#8222;digitalen Unterrichtens&#8220; sein, auch wenn meine ersten Schritte so ausgesehen haben m\u00f6gen. Zu einer &#8222;digitalen M\u00fcndigkeit&#8220; f\u00fchrt das aber nicht, auch wenn man als Lehrer vielleicht den Eindruck haben k\u00f6nnte, dass eine oben skizzierte Stunde &#8222;gut&#8220; gewesen war. Es ist vielmehr daf\u00fcr zu sorgen, dass man viel themenaktueller, auch projektm\u00e4\u00dfiger an den Unterricht herangeht und vielleicht seine Stunden zweiteilt. In der ersten Phase (zeitlich auf ca. 20-30 Minuten begrenzt) bringt man die n\u00f6tigen Fakten und die Sachkompetenz zur Lerngruppe, in einer zweiten Phase wird kompetenzorientiert vertieft. Dies kann auch \u00fcber das Konzept &#8222;Flipped Classroom&#8220; hergestellt werden, indem die Sch\u00fcler schon mit der n\u00f6tigen Basisinformation in den Unterricht kommen und dann damit weiterarbeiten. Dies k\u00f6nnen dann, m\u00fcssen aber nicht, auch digitale Produkte sein.<\/p>\n<p><strong>Mythos 5: Die Sch\u00fcler sind beim Arbeiten mit &#8222;digitalen Medien&#8220; deutlich motivierter<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang stimmt das sicher. Dieser Effekt kann aber auch ganz schnell ins Negative \u00fcberschwappen, wenn &#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>die Beziehungsebene zur Lehrkraft nicht stimmt (dann kann das &#8222;digitale Unterrichten&#8220; die Pandorab\u00fcchsen\u00f6ffnung sein!)<\/li>\n<li>man immer die gleichen Arbeitsauftr\u00e4ge stellt<\/li>\n<li>davon ausgegangen wird, dass die Sch\u00fcler sich schon selbstst\u00e4ndig durchwursteln und man nur &#8222;Globalauftr\u00e4ge&#8220; stellt<\/li>\n<li>man seinen Unterricht zu 100 % digitalisiert, ohne dass dies sinnvoll ist (ja, auch das merken Sch\u00fcler und monieren das mit sehr stimmigen Argumenten)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mich sehr dar\u00fcber freuen, wenn dieser Post ein wenig zur Diskussion \u00fcber das &#8222;digitale Unterrichten&#8220; beitragen k\u00f6nnte. Gerne nehme ich auch zu anderen Mythen Stellung und schildere dazu meine, wie gesagt, subjektiven Eindr\u00fccke, wenn diese von Interesse sein sollten. Letztlich kann ich aber nur allen Lehrern raten, sich mit diesem Thema zu besch\u00e4ftigen und getreu dem Motto &#8222;erg\u00e4nzen statt ersetzen&#8220; zu handeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich &#8211; seit dieser Woche ist auch in Bayern die allgemeine Sommerferienzeit eingel\u00e4utet worden. Da nach den Ferien aber bekanntlich vor dem n\u00e4chsten Unterricht ist, m\u00f6chte ich gerade denjenigen Kollegen, die ab dem Schuljahr 2017\/18 ins &#8222;digitale Lehren und Lernen&#8220; einsteigen, ein paar pers\u00f6nliche Erfahrungen mitteilen. 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