{"id":200,"date":"2017-05-05T11:09:54","date_gmt":"2017-05-05T09:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/bayernedu.wordpress.com\/?p=200"},"modified":"2017-05-05T11:09:54","modified_gmt":"2017-05-05T09:09:54","slug":"lehrerfortbildung-neu-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bayernedu.net\/index.php\/2017\/05\/05\/lehrerfortbildung-neu-denken\/","title":{"rendered":"Lehrerfortbildung &#8211; neu denken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.flippedmathe.de\/blog-2017-05-02-fortbildungen-neu-denken\/\">Ein Betrag von Sebastian Schmidt<\/a> (@FlippedMathe)<\/p>\n<p>Die letzten Jahre war ich viel unterwegs. Dabei habe ich einerseits viele Fortbildungen besuchen und einige selbst halten d\u00fcrfen. Wenn man heute von neuen Lern- und Lehrwegen spricht, muss man in meinen Augen auch Fortbildungen weiter denken und an neue Formate anpassen. Da im Zuge von Unterrichts- und Schulentwicklung immer wieder auch Fortbildungsformate neu \u00fcberdacht werden, m\u00f6chte ich an dieser Stelle meine eigenen Gedanken dazu sammeln. Ein Brainstorming zum weiter entwickeln. Dabei\u00a0 geht es mir dieses Mal bewusst nicht um Inhalte, sondern um Faktoren, damit Inhalte richtig vermittelt werden, beim richtigen Adressaten ankommen und vor allem der nachhaltigen Entwicklung dienen.<!--more--><\/p>\n<div id=\"cc-inner\" class=\"cc-content-parent\">\n<div id=\"wrap\" class=\"cc-content-parent\">\n<div class=\"content cc-content-parent\">\n<div id=\"content_area\">\n<div id=\"cc-matrix-2947408798\">\n<div id=\"cc-m-11011912998\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11011912998\">1. Interdisziplin\u00e4res Team<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11011914098\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Im Alltag sind Fortbildungen doch meistens von Einzelpersonen gepr\u00e4gt und organisiert. Entweder erz\u00e4hlt der Praktiker von seinem best practice oder ein Wissenschaftler von seinen theoretischen Forschungen. In seltenen F\u00e4llen ist das sinnvoll verzahnt. Daher braucht es in meinen Augen Teams, die Fortbildungen gemeinsam planen, evaluieren und durchf\u00fchren. Den Lehrer, der neue Modelle in seinem Unterricht ausprobiert, den Wissenschaftler, der die Ergebnisse evaluiert, den Didaktiker und P\u00e4dagogen, der Neues auf Theorien \u00fcberpr\u00fcft und Verantwortliche, welche die Ergebnisse an die zust\u00e4ndigen Ministerien, Beh\u00f6rden oder Ausbildungseinrichtungen weitergeben. Daf\u00fcr braucht es dann nat\u00fcrlich auch Abstellungen, aber eben nicht ausschlie\u00dflich. Jeder soll in seiner Disziplin weiter t\u00e4tig sein und trotzdem im Team aus unterschiedlichen Disziplinen seinen Teil beitragen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11011918198\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11011918198\">2. Dialog neben dem Vortrag<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11011918398\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Wie kann man einen Professor ernst nehmen, der in 90min\u00fctigen Vorlesungen ein Semester lang \u00fcber Entdeckendes Lernen referiert?<\/p>\n<p>Wie kann man einem Lehrer abnehmen, dass er sch\u00fclerzentriert unterrichtet, wenn er drei Stunden lang davon <em>erz\u00e4hlt<\/em>?<\/p>\n<p>Fortbildungen brauchen aktivierende Elemente, auch um Kollegen mit ins Boot zu holen. Klar, nur selbst erarbeiten geht oft auch nicht. Aber Vortr\u00e4ge sollten m\u00f6glichst Dialoge erm\u00f6glichen z.B. in Form von Fragen, die man nebenher stellen kann (z.B. mit padlet, gesehen bei Richard Heinen) und auf die der Referent dann am Ende eingeht.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollte eine Fortbildung aber nicht mit einem Vortrag enden. Bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern w\u00fcrde man nie auf die Idee kommen, nach einem Input die Vertiefung\/Festigung weg zu lassen. Es muss Raum geben, das Kennengelernte zu vertiefen, zu diskutieren oder im besten Fall gleich anzuwenden.<\/p>\n<p>Warum nicht auch im Sinne des Flipped Classroom den Vortrag auslagern? Es ist so wertvoll, wenn man sich in Gruppen trifft, warum sollte dann nur einer sprechen? Input aufzeichnen, zur Vorbereitung zur Verf\u00fcgung stellen und dann mit aktivierenden Elementen die Teilnehmer ins Boot holen. Das hat in meinen Augen auch nachhaltigere Effekte, als st\u00e4ndig nur berieselt zu werden. Au\u00dferdem fliehen dann vielleicht weniger hinter einen Laptop oder ein Tablet um &#8222;mitzuschreiben&#8220;.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11011925198\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11011925198\">3. Praxisrelevanz und Anwendungspflicht<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11011926998\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>F\u00fcr einen Lehrer ist es wichtig, neue Impulse zu bekommen, das Studium liegt meist schon sehr lange zur\u00fcck. Diese Impulse werden den Alltag aber nur beeinflussen, wenn eine direkte Anwendung aus der Fortbildung abgeleitet werden kann. In letzter Zeit habe ich zu viele Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt, die zwar allesamt spannend und informativ waren, aber oft zu wenig f\u00fcr den Unterrichtsalltag zur Verf\u00fcgung stellten. Klar braucht es die Theorie und die Meta-Ebene, um Unterricht weiter zu entwickeln, aber ohne konkrete Umsetzungsm\u00f6glichkeiten werden dieses Impulse verpuffen.<\/p>\n<p>Dabei muss man als Fortbilder gar keine konkreten Unterrichtsstunden ausgeben. Es reicht eigentlich aufzugeben, das Erlernte bis zu einem n\u00e4chsten Zusammentreffen praktisch zu erproben und dies zu reflektieren. Gegenseitig zur Verf\u00fcgung gestellt, k\u00f6nnen die Ergebnisse von den anderen eingesehen und mit gegenseitigem Feedback versehen werden. Bei einem 2. Fortbildungstag hat man dann eine viel tiefere Ebene, mit der man die erste Fortbildung vertiefen oder Erlerntes weiterentwickeln kann.<\/p>\n<p>Deshalb: einer Fortbildung sollte immer mindestens ein zweiter Tag folgen. Man muss das Erlernte ja nicht dauerhaft in seinem Unterricht anwenden, aber wenigstens einmal ausprobiert haben. Viele Ans\u00e4tze sind so disruptiv, dass man oft erst durch die Praxis die volle Relevanz erkennen kann.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012193198\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11012193198\">4. Immer wieder bei Null beginnen<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012193298\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Unterricht entwickelt sich st\u00e4ndig weiter. Innerhalb einer Schule oder auch in einer Community kann es durchaus sein, dass Welten bez\u00fcglich innovativem Lernen bzw. der Unterrichtsqualit\u00e4t liegen. Das ist bei unseren Klassen genauso. Immer wieder m\u00fcssen wir bei einem Sch\u00fcler bei Null beginnen, anscheinend hat er die letzten Monate komplett gepennt. In der Lehrerschaft muss dies besonders hinsichtlich der Implementierung von digitalen Elementen auch so gehen. Die einen weigern sich, die anderen haben Angst, nicht die M\u00f6glichkeit dazu oder sind schlicht jahrelang zeitlich so eingespannt, dass Unterrichtsver\u00e4nderung an letzte Stelle ger\u00fcckt ist. F\u00fcr sie alle muss es Fortbildungskonzepte geben. Man sollte sich also als Fortbilder weiterentwickeln, gleichzeitig muss man sich aber auch immer in die Lage der ersten Schritte zur\u00fcckbesinnen. Dann kann ich die Kolleginnen und Kollegen auch da abholen, wo sie stehen. Daf\u00fcr ist es manchmal auch wichtig, im Zuge von Fortbildungsvorbereitungen die eigene Entwicklung wieder hinten an zu stellen und erneut die Wege der ersten Tage zu beschreiten.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012202898\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11012202898\">5. Prophet im eigenen Lande<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012203098\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Der \u00d6sterreicher erz\u00e4hlt in Bayern etwas \u00fcber &#8222;digitale Bildung&#8220;, der Bayer in Schleswig-Holstein&#8230; (to be continued) Was folgt: &#8222;Ihr in Bayern habt ja auch ganz andere Voraussetzungen.&#8220; &#8222;\u00d6sterreich ist da ja auch schon viel weiter, bei uns klappt das nicht.&#8220; Dem Kollegen von weit her kann man auf die Schulter klopfen und wieder unverrichteter Dinge in seinen eigenen Unterricht zur\u00fcck gehen. Kommt der vortragende Kollege dagegen aus der eigenen Reihe bzw. von der Schule unmittelbar nebenan, dann hat das Vermittelte eine deutlich h\u00f6here Tragweite. Ist dann der Praxisbezug auch noch vorhanden, steht dem ersten Versuch vielleicht deutlich weniger Zeit bevor.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012211298\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11012211298\">6. Multiplikation<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012211598\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>&#8222;Ich bin der Schule xy und hier bei dieser Fortbildung, weil ich bei uns f\u00fcr das Digitale zust\u00e4ndig bin.&#8220;<\/p>\n<p>So oder so \u00e4hnlich k\u00f6nnten sich viele bei einer Fortbildung vorstellen, bei der es um digitale Elemente im Unterricht geht. Auch deshalb verkommen Fortbildungen immer mehr zu Klassentreffen, bei dem sich immer dieselben Leute wieder und wieder treffen.<\/p>\n<p>Inhalte von Fortbildungen sollten multipliziert werden, was aber eigentlich im schulischen Alltag schwer m\u00f6glich ist, gibt es doch so viele wichtige Dinge, die am besten alle gleichzeitig multipliziert werden sollten.<\/p>\n<p>Meine Idee: barcamps oder Mikro-SchilFs an jeder Schule anstelle eines p\u00e4dagogischen Tages. Fortbildungsinhalte k\u00f6nnen in kleinen Sequenzen weitergegeben und diskutiert werden.<\/p>\n<p>Um tiefer in die Thematik einsteigen zu k\u00f6nnen, sollte es dann parallel zu jeder Fortbildung einen elearning-Kurs geben, der an interessierte Kollegen weiter gegeben werden kann.<\/p>\n<p>Noch besser: gegenseitige Hospitationen, wenn neue Elemente\/Verfahren\/Methoden im Unterricht eingesetzt werden. Mein Highlight: Vertretungsstunden so vorbereiten, dass die Kollegen bei der Aufsicht das dann auch machen wollen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012216298\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11012216298\">7. Der &#8222;Fortbildungs-Bus&#8220;<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012216698\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Kommt der Lehrer nicht zur Fortbildung, kommt die Fortbildung in den Unterricht. Warum nicht Multiplikatoren abordnen und auf Reise schicken? Ein Fortbildungskonzept, das an jeder Schule an einem p\u00e4dagogischen Tag f\u00fcr alle Kollegen gehalten wird (wieder nicht nur Digitalos, sondern mehrere Module). Fortbildungspflicht f\u00fcr Einzelne gibt es nicht \u00fcberall, f\u00fcr Schulentwicklung w\u00e4re es vielleicht mal ein anderes Programm. Die Experten daf\u00fcr k\u00f6nnte man extra schulen oder mit oben erl\u00e4uterten Kompetenzteam aufbauen.<\/p>\n<p>Ob man daf\u00fcr jetzt einen extra Bus braucht, wei\u00df ich nicht, <a title=\"https:\/\/twitter.com\/digital2school\/status\/858292612381503488\" href=\"https:\/\/twitter.com\/digital2school\/status\/858292612381503488\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Tweet<\/a> hat mich dazu inspiriert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012377398\" class=\"j-module n j-header \">\n<h2 id=\"cc-m-header-11012377398\">9. Unterricht \u00e4ndern: JETZT<\/h2>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012377798\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Seit bald 10 Jahren probieren Kollegen schon aus. Wir brauchen nicht noch eine digitale Schule 2100. Jetzt ist die Zeit, etwas zu \u00e4ndern. Lasst uns nicht erst nach der eierlegenden Wollmilchsau suchen, sondern mit vorhandenen Umsetzungsm\u00f6glichkeiten jetzt etwas \u00e4ndern. Ich bin erst seit drei Jahren dabei und immer wieder h\u00f6re ich von &#8222;einem neuen Startschuss&#8220;, &#8222;dass es f\u00fcnf nach 12 ist&#8220; und &#8222;dass wir uns mal zusammensetzen m\u00fcssen, wie wir in Zukunft irgendwann einmal Schule neu gestalten wollen.&#8220; Bis dahin wird sich soviel ge\u00e4ndert haben, dass es schon wieder neue Startsch\u00fcsse braucht. Es geht so viel, es ist so viel m\u00f6glich, bitte lasst uns das nicht mehr aufschieben. Reger Austausch, Kritik und Evaluation ist super, Disruption braucht aber auch Versuche. Sowohl das Lernen, als auch das Lehren muss eine Fehlerkultur vertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"cc-m-11012391198\" class=\"j-module n j-text \">\n<p>Was meint Ihr? Was sollte die Fortbildung von morgen k\u00f6nnen, welche weiteren Punkte k\u00f6nnte man erg\u00e4nzen?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Betrag von Sebastian Schmidt (@FlippedMathe) Die letzten Jahre war ich viel unterwegs. Dabei habe ich einerseits viele Fortbildungen besuchen und einige selbst halten d\u00fcrfen. Wenn man heute von neuen Lern- und Lehrwegen spricht, muss man in meinen Augen auch Fortbildungen weiter denken und an neue Formate anpassen. 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