{"id":1631,"date":"2018-12-29T14:30:55","date_gmt":"2018-12-29T13:30:55","guid":{"rendered":"https:\/\/bayernedu.net\/?p=1631"},"modified":"2018-12-29T15:17:26","modified_gmt":"2018-12-29T14:17:26","slug":"schafkopf-statt-smartphone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bayernedu.net\/index.php\/2018\/12\/29\/schafkopf-statt-smartphone\/","title":{"rendered":"Schafkopf statt Smartphone"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Prolog \u2014 der Wunschzettel<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"207\" height=\"300\" src=\"https:\/\/bayernedu.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/schafkopf2-207x300.jpg\" alt=\"Schafkopf mit Smartphone\" class=\"wp-image-1648\" srcset=\"https:\/\/bayernedu.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/schafkopf2-207x300.jpg 207w, https:\/\/bayernedu.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/schafkopf2.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><figcaption>Die L\u00f6sung f\u00fcr die<br>digitale Transformation?<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcnscht sich ein Redakteur so zu Weihnachten? Eine sch\u00f6ne Geschichte zwischen den Jahren, genug f\u00fcr eine sch\u00f6ne Meldung, zus\u00e4tzlich noch einen Kommentar oder ein, zwei Zitate aus Kurzinterviews, alles ohne viel Arbeit. Ach ja, und f\u00fcr polarisierende Reaktionen sollte es auch reichen. Am besten, wirft die leidgeplagte Bayernredaktion ein, nichts aus S\u00fcdostasien oder schon wieder Nahost, sondern etwas, das die Leute ber\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar hatte das Christkind ein Herz f\u00fcr die bayerischen Zeitungen. Dennoch war ich \u00fcberrascht, als die Pressemitteilung des bayer. Philologenverbands in den still und starr daliegenden See der nachweihnachtlichen Presselandschaft platschte und eine veritable Font\u00e4ne in die H\u00f6he jagte. Kartenspielen? Schafkopf also? Echt jetzt? Das ist die Antwort des BPV auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? Ich begab mich auf die Suche nach der Originalmeldung und erfuhr dann vom Twitteraccount des BPV, dass diese nur an die dpa ging. Nun gut, dann mussten es die diversen Zeitungen und ihre Onlineauftritte richten. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Make Schafkopf Great Again<\/h4>\n\n\n\n<p>Der BPV bzw. sein Vorsitzender Michael Schw\u00e4gerl schreibt in der Mitteilung: <em>&#8222;In Zeiten der globalisierten Welt gibt es eine R\u00fcckbesinnung auf Heimat und Tradition, dazu z\u00e4hlten auch Spiele wie Schafkopf. Nicht zuletzt ist es in ganz Bayern verbreitet, vereint also Franken, Schwaben und Altbayern in Form eines Spiels und ist somit Abbild der Vielfalt und Einheit Bayerns.&#8220;<\/em> Grund daf\u00fcr ist f\u00fcr den BPV, dass <em>&#8222;das Spiel in den Familien nicht mehr gespielt und damit nicht mehr gelernt wird&#8220;<\/em>. Zwar gebe es Apps zum Schafkopfen, aber der Reiz des Spiels liege in der Interaktion der Spieler untereinander. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Satz mag der BPV Recht haben, aber auch das Tabak schnupfen, Fingerhakeln, Goasslschnalzen und Wildern wird nur noch sehr sporadisch in bayerischen Familien betrieben. Auch die bayerische Gesellschaft und damit die Kultur ver\u00e4ndert sich. Das &#8222;<em>Panta rhei<\/em>&#8220; kennen die Altphilologen sicher. Jammern und beschw\u00f6ren hilft da nicht und die beste Methode, etwas schlagartig jeden Reizes in der Schule zu berauben ist es, eine Pflichtveranstaltung daraus zu machen. Wie es so sch\u00f6n hei\u00dft, bedeutet Tradition nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. Und das Feuer brennt f\u00fcr Schafkopf, mag man es m\u00f6gen oder nicht, eben nur noch auf kleiner Flamme. <\/p>\n\n\n\n<p>Was die Interaktion der Spieler untereinander angeht, es gibt auch Bayern au\u00dferhalb von Bayern \u2014 trotz des Spruches <em>&#8222;Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita&#8220;<\/em>. Ich habe Freunde (echte Niederbayern), die jetzt in der N\u00e4he von Austin leben oder in Japan. Will ich denen Schafkopf verbieten, weil sie nicht &#8222;interagieren&#8220; k\u00f6nnen? Was ist mit bayerischen Sch\u00fclern und Studenten im Ausland? Nur weil sich der BPV Interaktion nur von Angesicht zu Angesicht vorstellen kann, muss das nicht der Fall sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hat die Besch\u00e4ftigung mit dem Kartenspiel im Allgemeinen und Schafkopf im Besonderen ja eine lange Tradition unter den &#8222;Bildungsbeauftragten&#8220; Bayerns. Bereits Aventinus beklagte in seiner Beschreibung der Bayern, dass jeder <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;<em>bei dem wein, schreit, singt, tantzt, kartet, spilt, mag wer tragen, schweinspie\u00df und lange messer<\/em>&#8222;<\/p><cite>Johannes Turmair\u2018s genannt AVENTINUS S\u00e4mmtliche Werke, Bd. 4\/1: Bayerische Chronik, hg. v. Matthias LEXER, M\u00fcnchen 1882<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Unser ehemaliger Kultusminister Spaenle war der bisher letzte, der meinte, ein z\u00fcnftiger Schafkopf sei<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;<em>selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil der ewigen Seligkeit im wei\u00dfblauen Paradies<\/em>&#8222;<\/p><cite>Vorwort Ludwig Spaenles in: Adam MERSCHBACHER, Schafkopf. Das anspruchsvolle Kartenspiel, 2. Aufl. M\u00fcnchen 2009<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Insofern stapft der Bayerische Philologenverband mit seinem Vorsitzenden Schw\u00e4gerl auf ziemlich ausgetretenen Pfaden, wenn er nun eine vermehrte Besch\u00e4ftigung mit dem Schafkopfen in Bayerns Gymnasien fordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Kritik richtet sich an dieser Stelle auch nicht gegen das Schafkopfen, sondern gegen die Agenda hinter der Meldung und den nicht vorhandenen Nutzen f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Bereits der erste Satz enth\u00e4lt meiner Meinung nach etwas, das bei Drehbuchschreibern als &#8222;<em>plot hole<\/em>&#8220; bezeichnet wird, einen logischen Fehler:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In Zeiten der globalisierten Welt, so der Verbandsvorsitzende, gebe es eine R\u00fcckbesinnung auf Heimat und Tradition, dazu z\u00e4hlten auch Spiele wie Schafkopf.<\/p><cite>(Michael Schw\u00e4gerl, aus der Pressemeldung des BPV)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, ob ein &#8222;Einigeln im Gestern&#8220;, &#8222;Furcht vor Fremdem und Neuem&#8220; (nichts anderes ist eine &#8222;R\u00fcckbesinnung auf Heimat und Tradition&#8220;) daf\u00fcr sorgen wird, dass Bayern f\u00fcr die Zukunft ger\u00fcstet bleibt (das allein ist ein eigener Blogpost), sei an dieser Stelle nur kurz auf das <a href=\"http:\/\/www.das-pinguin-prinzip.com\/index2.html\">Pinguin-Prinzip<\/a> verwiesen. Nehmen wir an, dass Herr Schw\u00e4gerl Recht hat, dann ist seine Mitteilung unn\u00f6tig, denn er schreibt ja <em>&#8222;dazu z\u00e4hlten auch Spiele wie Schafkopf&#8220;<\/em>. Also spielen ja jetzt alle wieder Schafkopf, die Schachbretter landen auf dem Sperrm\u00fcll, weil Eltern ihrem Nachwuchs wieder erkl\u00e4ren, was ein Solo und ein Wenz sind. Wozu dann bitte diese Meldung? Doch wohl, weil es gerade nicht so ist? Was denn nun? Als Filmproduzent w\u00fcrde ich an dieser Stelle den Regisseur bitten, doch erst einmal die L\u00f6cher in der Handlung zu stopfen und dann wieder anzurufen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Aber lesen wir weiter: &#8222;<em>Nicht zuletzt ist es in ganz Bayern verbreitet, vereint also Franken, Schwaben und Altbayern in Form eines Spiels und ist somit Abbild der Vielfalt und Einheit Bayerns.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Das taten und tun Bier brauen (und trinken), Wildern, Trachten tragen, und Erzeugnisse bayerischer Automobilproduzenten in den Strassengraben legen auch, verdienen aber deswegen noch lange keine Empfehlung des bayer. Philologenverbands. Was die &#8222;Vereinigung&#8220; angeht, waren gerade beim Schafkopf die Regeln in der Vergangenheit so unterschiedlich, dass keinesfalls von einer &#8222;Einheit&#8220; gesprochen werden kann. Ein erstes einheitliches Regelwerk (vor dem aktuellen Regelwerk der <a href=\"http:\/\/www.schafkopfschule.de\">schafkopfschule.de<\/a>) kam Ende 1989 (nach dem Fall der Berliner Mauer!) zustande. Auch ist Schafkopf nicht die gro\u00dfe Tradition Bayerns, als die es oft dargestellt wird. Obwohl die Urspr\u00fcnge immer noch im Dunkeln liegen, gibt es doch vor dem Ende des 18 Jahrhunderts keine urkundliche Erw\u00e4hnung (dazu stammt der Bu\u00dfgeldkatalog von 1782 aus Sachsen, ohweh) des Spiels und die Anf\u00e4nge liegen sicherlich <a href=\"https:\/\/www.schafkopfschule.de\/index.php\/geschichte.html\">nicht in Bayern<\/a>, sondern <a href=\"https:\/\/www.schafkopf-palast.de\/schafkopf-geschichte\/\">au\u00dferhalb<\/a> (s.a. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/brauchtum-mythos-schafkopf-1.50123\">hier<\/a>). Nehmen wir das &#8222;<em>Kleine Schafkopfb\u00fcchlein<\/em>&#8220; des Obsis Verlags in Amberg von 1895 als erste &#8222;Dokumentation&#8220; des Spiels, hatte Bayern da bereits ein Dutzend Jahrhunderte Geschichte hinter sich! Da fallen mir auf Anhieb andere Dinge ein, die Altbayern, Franken und Schwaben seit Jahrhunderten verbinden. Und wenn es denn bei den etwas \u00fcber 200 Jahren bleiben soll, dann w\u00e4re die bayerische Verfassung von 1818 etwas, dass meiner Meinung nach vom BPV f\u00fcr die Behandlung im Unterricht empfohlen werden sollte. Die Zeiten w\u00e4ren gerade passend.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kompetenz statt Karteln<\/h4>\n\n\n\n<p>Der BPV hat f\u00fcr seine Mitteilung aber auch bekannte Unterst\u00fctzer. Professor Klaus Zierer von der Universit\u00e4t Augsburg \u00e4u\u00dferst sich laut Presse in der Mitteilung wie folgt:<br><em>&#8222;Der Bildungsgehalt des Schafkopfs ist nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen&#8220;, erkl\u00e4rte er in der Mitteilung des Philologenverbandes. Sch\u00fcler k\u00f6nnten mit dem Kartenspiel unter anderem mathematische, soziale und strategische Kompetenzen erlernen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schafft man es \u00fcber den ersten &#8222;Ah, die <em>mia san mia<\/em> Fraktion hat wieder gesprochen&#8220;-Reflex, dann lassen sich in der akademischen Begleitung der Meldung einige gute Argumente erkennen: das Erlernen von mathematischen, sozialen und strategischen Kompetenzen. Da kann ja niemand etwas dagegen haben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen diese Kompetenzen nicht, die Vermittlung dieser Kompetenzen mit Schafkopfen erscheint mir dann aber doch &#8222;suboptimal&#8220;. Nat\u00fcrlich erfordert Schafkopf soziale Kompetenzen wie Kommunikation auf mehreren Kan\u00e4len (wer sich einmal zusammen mit einer engagierten Runde in einem bayer. Wirtshaus befunden hat, wei\u00df, dass diese Kommunikation durchaus redundant, lautstark, wenig rational und manchmal k\u00f6rperlich sein kann), aber dennoch: findet ein ganzer Philologenverband im Jahre 2018 keine anderen M\u00f6glichkeiten der verbreitenswerten Kontexterzeugung als Schafkopfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe doch, dass es an bayerischen Gymnasien noch eine Vermittlung mathematischer Kompetenzen au\u00dferhalb des Kartenspiels gibt (ich bin da seit l\u00e4ngerer Zeit nicht mehr Sch\u00fcler). Wie ich bereits des \u00d6fteren auf Twitter geschrieben habe, bin ich ein gro\u00dfer Verfechter von Kontext f\u00fcr das Lernen neuer Dinge. Wie soll das Gehirn auch ohne Kontext und Emotionen abstrakt pr\u00e4sentierte Inhalte kategorisieren und verkn\u00fcpfen? So gesehen w\u00e4re Schafkopfen in der Tat eine Art von Kontext. Dennoch glaube ich, dass wir in der heutigen &#8222;globalisierten Welt&#8220;, in der Bayern bessere Themenfelder f\u00fcr die Schaffung von Kontext finden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mathematik w\u00e4re so ein Fach, dass aufgrund seines meist &#8222;kontextfrei&#8220; pr\u00e4sentierten Stoffes (oder des gro\u00dfen Erfolgs von P\u00e4dagogen, die es schaffen, f\u00fcr die Mathematik das &#8222;Warum soll ich das lernen&#8220; zu beantworten) von Kontext profitieren w\u00fcrde. Aber Schafkopf? In einem Bundesland, in das lt. stat. Bundesamt zwischen 1991 und 2015 fast 800.000 Menschen aus anderen Gegenden Deutschlands zugezogen sind, in dem ca. 10% der Einwohner, die hier leben und arbeiten einen Migrationshintergrund haben? Ich denke, das Lehrpersonal an Universit\u00e4t und Gymnasium ist durchaus in der Lage, hier eine bessere M\u00f6glichkeit zu finden. Wenn dann in der Pause oder in einer AG wie in Theater- oder Fotogruppe zus\u00e4tzlich allgemein bayerisches Kulturgut vermittelt wird, warum nicht? <\/p>\n\n\n\n<p>Was die strategischen und planerischen Kompetenzen angeht, ist die Idee, dies anhand eines Spiels wie Schafkopf zu vermitteln, durchaus positiv. Im Gegensatz zu anderen Spielen f\u00e4llt Schafkopf ausdr\u00fccklich nicht unter den \u00a7284 StGB und z\u00e4hlt nicht als Gl\u00fccksspiel (Watten hingegen darf man auch in Bayern nicht um Geld!), der Erfolg h\u00e4ngt also von den F\u00e4higkeiten der Spieler ab. Aber auch hier greift dieses verbissene Festhalten an vermeintlich urbayerischen Traditionen (s.o.) zu kurz. Es gibt gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten, Spieltheorie im Lehrplan des bayer. Gymnasiums unter zu bringen. Dann aber im Vergleich mit anderen Spielen. So bringt man vielleicht SuS dazu, kein Geld beim Pokern zu verlieren, wenn sie wissen, dass Schafkopf die bessere Wahl w\u00e4re. Und wir befinden uns immer noch im Bereich des Kartenspiels. Es gibt f\u00fcr eine sp\u00e4tere akademische oder berufliche Zukunft so viele andere Themenfelder, die zukunftsorientierter w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Z\u00e4umen wir das Pferd zum Abschluss hin mal von einer anderen Seite auf. Schule hat (auch f\u00fcr das Gymnasium) den expliziten Auftrag, bei der Pers\u00f6nlichkeitsbildung der SuS mitzuarbeiten, diese auf Studium und Beruf vorzubereiten und zu m\u00fcndigen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu bilden. Ich bin mir sicher, dass f\u00fcr diese verbindlichen Ziele das Schafkopfen keinen Platz auf den vorderen R\u00e4ngen einnehmen wird. Ob das nun Kommunikation in heterogenen Teams aus unterschiedlichen Kulturen ist (gehen Sie mal durch die Uni in Garching), statistische Beurteilung von Algorithmen oder aber, um der Klassik ebenfalls Raum zu geben, eine Beurteilung des Philinos-Vertrags zwischen Karthago und Rom 304 v.Chr. im strategischen Kontext der Seeherrschaft im westlichen Mittelmeer zu geben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Feuer weitergeben, nicht Asche bewahren<\/h4>\n\n\n\n<p>2017 exportierten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 192 Mrd. Euro (<a href=\"https:\/\/www.bihk.de\/bihk\/downloads\/bihk\/der-aussenhandel-bayerns-2017.pdf\">Quelle<\/a>). Es gibt gro\u00dfe Unternehmen in Bayern mit mehr als <a href=\"https:\/\/www.berufsstart.de\/unternehmen\/bundesland\/bayern.php\">10000 Besch\u00e4ftigten<\/a> und kleine, moderne <a href=\"https:\/\/www.stmwi.bayern.de\/service\/wettbewerbe\/bayerns-best-50\/\">Best 50<\/a>, die von der Bayer. Staatsregierung ausgezeichnet wurden. Ich behaupte, dass bei keinem der Unternehmen aus der Liste (den &#8222;Dickschiffen&#8220; mit mehr als 10000 Besch\u00e4ftigten oder den &#8222;Best 50&#8220;) Schafkopf auf dem internen Ausbildungsplan steht. Diese Unternehmen haben v\u00f6llig andere W\u00fcnsche an das Bildungssystem als die vermehrte Besch\u00e4ftigung mit Schafkopfen!<br><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Aussage wie <em>&#8222;Wir w\u00fcnschen uns, dass das Kartenspiel gerade in digitalen Zeiten wieder mehr an Bedeutung gewinnt, auch in der Schule&#8220;<\/em>, st\u00f6\u00dft in der Wirtschaft, gelinde gesagt, auf hochgezogene Augenbrauen. Ein solcher Satz enttarnt aber auch die gesamte Mitteilung. Den Philologen sitzt der Nachwuchs schlicht zu oft vor einem Display statt vor einem guten Blatt. Zur\u00fcck vom organischen LED zum organischen Papyrus, sozusagen. Ein Hoch dem klassischen Buch (als ob Polybios seine Meinung \u00e4ndern w\u00fcrde, w\u00fcrde er bemerken, dass er auf einem eInk-Display erscheint). <\/p>\n\n\n\n<p>Das Blicken auf ein Smartphone- oder Tablet-Display hat nun aber mit dem angestrengt Nachdenken etwas gemeinsam: beide sind von Nichtstun bzw. Zeit vertr\u00f6deln kaum zu unterscheiden. Was dem digital wenig erfahrenen Gymnasial-P\u00e4dagogen also als ein &#8222;dumm aufs Handy gucken&#8220; erscheinen mag, kann durchaus der Kollegiat aus dem Physik-Lk sein, der gerade live die Daten des SOHO-Sonnensatelliten der NASA abruft, der Deutsch-Sch\u00fcler, der f\u00fcr sein Referat Quellen auf Hawaii zu Adalbert von Chamisso abruft (ja, raten Sie mal, wer die erste Grammatik des Hawaiianischen geschrieben hat, auch das l\u00e4sst sich auf dem Smartphone lernen) oder aber jemand, der gerade virtuell durch neue Ausgrabungen in Pompeji schreitet, um f\u00fcr Geschichte zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt den sch\u00f6nen Spruch, <em>&#8222;wenn Du nur einen Hammer kennst, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus&#8220;<\/em>. Kenne ich nicht einmal den Hammer, sondern nur den Faustkeil, dann sieht&#8217;s f\u00fcr die Zukunftssicherheit der schulischen Bildung an Gymnasien noch finsterer aus. Anstatt wie aktuell en vogue jede Diskussion in eine digitale (pun intended) Auseinandersetzung zwischen angeblich analoger und digitaler Bildung zu treiben, w\u00e4re der BPV meiner Meinung nach gut beraten, die Karten zusammenzuwerfen und nochmal neu zu mischen. Es hat jeder &#8222;Weida!&#8220; gesagt. Und da&#8217;s kein Turnier, sondern ein Blog ist, gibt&#8217;s auch kein &#8222;muss&#8220; \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Lasst die SuS karteln, wenn sie wollen, erkl\u00e4rt Ihnen die bayerische Kultur und unsere Verfassung, und bereitet die Gymnasiasten auf das Studium vor, denn wenn ich da Aussagen bayerischer Professoren lese, liegt wichtigere Arbeit als eine Runde Schafkopf vor dem Gymnasium.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prolog \u2014 der Wunschzettel Was w\u00fcnscht sich ein Redakteur so zu Weihnachten? 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