{"id":1359,"date":"2018-07-08T11:22:23","date_gmt":"2018-07-08T09:22:23","guid":{"rendered":"https:\/\/bayernedu.net\/?p=1359"},"modified":"2018-11-28T17:35:45","modified_gmt":"2018-11-28T16:35:45","slug":"rezension-evaluation-und-feedback-im-fach-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bayernedu.net\/index.php\/2018\/07\/08\/rezension-evaluation-und-feedback-im-fach-geschichte\/","title":{"rendered":"Rezension: &#8222;Evaluation und Feedback im Fach Geschichte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>#BayernEdu versucht in seinen Beitr\u00e4gen immer auch etwas \u00fcber den Tellerrand hinauszuschauen. Via Twitter erfuhr ich von einer aktuellen Neuerscheinung aus der &#8222;Kleinen Reihe Hochschuldidaktik&#8220; des Wochenschau Verlags. Unter dem Titel<strong> <a href=\"http:\/\/www.wochenschau-verlag.de\/evaluation-und-feedback-im-fach-geschichte-2467.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Evaluation und Feedback im Fach Geschichte&#8220;<\/a> <\/strong>legen <strong><a href=\"http:\/\/www.geschichte.uni-mainz.de\/172.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andreas Frings<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/www.hdm-stuttgart.de\/hochschule\/organisation\/organigramm\/person_view_detail?mitarbid=6369445\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tobias Seidl<\/a><\/strong> eine 56 Seiten starke Ver\u00f6ffentlichung vor, die mich vor allem deshalb interessierte, da ich w\u00e4hrend meines Geschichtsstudiums eigentlich nie mit den genannten Punkten in Ber\u00fchrung kam. Heute bin ich als Seminarlehrer allerdings auch auf diese Themen angewiesen, zudem steht im Rahmen der Digitalen Bildung Feedback und Evaluation sowieso immer auf der Agenda. Grund genug, einen Blick in den universit\u00e4ren Kosmos zu werfen.<\/p>\n<p>Das Wichtigste vorweg: Ich habe das Werk recht gewinnbringend gelesen, da es den Autoren gelingt &#8211; trotz der K\u00fcrze (oder vielleicht gerade wegen) des Formats &#8211; wissenschaftlich fundiert und auch f\u00fcr Neulinge in dieser Thematik anschaulich genug zu schreiben. Als Basis der \u00dcberlegungen wird zun\u00e4chst auf das f\u00fcr schulische Zwecke gut \u00fcbertragbare Modell von Immanuel Ulrich vorwiesen, der als Einzeldimensionen einer &#8222;guten Hochschullehre&#8220; neben den jeweiligen Rahmenbedingungen die Eigenschaften der Lehrperson, die Qualit\u00e4t der Lehre sowie die studentischen Aktivit\u00e4ten und deren Ergebnisse definiert. Feedback kommt demnach eine Schl\u00fcsselposition zu, da es sowohl mit der &#8222;Lehre&#8220; als auch der &#8222;Studentischen Aktivit\u00e4t&#8220; verkn\u00fcpft ist &#8211; ein Gedanke, der sich auch auf den schulischen Unterricht \u00fcbertragen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Immer wieder erstaunlich fand ich w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre, dass die Autoren ziemlich praxisnahe Beispiele in der Literatur gefunden haben (meist aber englischsprachige, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass sich Ulrichs Modell sicher noch nicht fl\u00e4chendeckend an deutschen Universit\u00e4ten herumgesprochen hat). Lehrende k\u00f6nnen so sicher gut nachvollziehen, welche Art von Feedback Studierende ben\u00f6tigen, um ihren Lernprozess oder ihre Ergebnisse zu &#8222;befruchten&#8220;. Dass Lehrende &#8222;sich selbst in der Rolle des &#8222;Trainers&#8220; {sehen sollen}, der ein ganzes Team entwickeln will&#8220; (vgl. S. 21) und dass es &#8222;dem &#8222;Trainer&#8220; um den kollektiven Lernfortschritt wie auch um die vielen individuellen Lernprozesse zugleich&#8220; (vgl. ebd.) gehen soll, sind aus meiner Sicht gerade f\u00fcr das Fach Geschichte schon fast revolution\u00e4re T\u00f6ne. Dessen sind sich die Autoren wohl auch bewusst, da sie f\u00fcr die o. g. Beispiele auch immer gleich Handlungsempfehlungen und Paraphrasen f\u00fcr die Lehrenden mitliefern. Trotzdem ist das alles sehr bemerkenswert, zeitgem\u00e4\u00df und auch das Zeichen, dass sich an den Universit\u00e4ten gewisse Modernisierungsprozesse &#8211; gerade auch im didaktischen Bereich &#8211; nicht mehr ignorieren lassen.<\/p>\n<p>Ebenso gut lesbar sind die vorgestellten Gedanken zur Erhebung von Formativen Feedback. Hier wird auch wieder deutlich, dass kleinere Pr\u00fcfungen &#8211; \u00fcber den jeweiligen &#8222;Unterrichtszeitraum&#8220; verteilt &#8211; wirksamer als wenige gr\u00f6\u00dfere Pr\u00fcfungen sind. Zudem wird beim Summativen Feedback richtigerweise auf das Problem des Zeitfaktors hingewiesen, wenn eine Hausarbeit z. B. erst sechs Wochen sp\u00e4ter zur\u00fcckgegeben wird. Auch dies ist auf den schulischen Kontext gut \u00fcbertragbar.<\/p>\n<p>Der zweite Teilbereich des Buches stellt die Besch\u00e4ftigung mit der Evaluation an sich dar. F\u00fcr mich neu war u. a., dass nach Wolfgang Stroebe vor allem triviale Faktoren die Evaluation verf\u00e4lschen k\u00f6nnen. Die Autoren schlagen daher vor, das &#8222;Berliner Evaluationsinstrument f\u00fcr selbsteingesch\u00e4tzte, studentische Kompetenzen <strong>(BEvaKomp)<\/strong>&#8220; zu nutzen. Die Vorz\u00fcge dessen liegen in der Kompetenzorientierung, praktische Beispiel-Items werden gleich ausf\u00fchrlich mitgeliefert, so dass der Lehrende sich gleich an die Konzeption eigener Frageb\u00f6gen machen kann. Auch die empfohlene f\u00fcnfstufige Likert-Skala ist anscheinend immer noch als ein m\u00f6glicher Standard aktuell.\u00a0 Es ist dieser Service-Aspekt, der die besondere Qualit\u00e4t des Buchs definiert. Schritt f\u00fcr Schritt wird dem Lehrenden erkl\u00e4rt, wie die Item-Formulierung und -Gruppierung f\u00fcr ein historisches Seminar gelingen kann. Zum Abschluss werden noch einige &#8222;Qualitative Instrumente&#8220; vorgestellt, die auch, wie z. B. der &#8222;Brief in die Zukunft&#8220;, im Unterricht gut einsetzbar sind. Mit \u00dcberlegungen, wie man mit den Ergebnissen einer Evaluation als Dozent umgehen kann, schlie\u00dft das B\u00e4ndchen, das man in ca. 1 Stunde Lesezeit gut bew\u00e4ltigen kann.<\/p>\n<p>Einziger Kritikpunkt ist, dass man auch digitale M\u00f6glichkeiten der Feedbackerhebung h\u00e4tte mit erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, da sich dann der Tipp, dass der Lehrende w\u00e4hrend die Studierenden die R\u00fcckmeldungen geben, den Raum verlassen sollen, erledigen w\u00fcrde. Ich schlage daher vor, dass sich ein Folgeband, bei dem es noch genauer um die Konsequenzen von Feedback und Evaluation auf die Lehre gehen k\u00f6nnte, auch diesen Aspekt ber\u00fccksichtigt. Man kann dem B\u00e4ndchen nur w\u00fcnschen, dass es seine Leser finden wird, denn letztlich profitieren davon nicht nur die Lehrveranstaltungen an den Universit\u00e4ten, sondern auch angehende Geschichtslehrer k\u00f6nnen dann schon auf Kenntnisse zum Thema zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#BayernEdu versucht in seinen Beitr\u00e4gen immer auch etwas \u00fcber den Tellerrand hinauszuschauen. Via Twitter erfuhr ich von einer aktuellen Neuerscheinung aus der &#8222;Kleinen Reihe Hochschuldidaktik&#8220; des Wochenschau Verlags. 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